Grüße aus der Pampa

Ich bin Dorothea und Schülerin des Gymnasiums Neu Wulmstorf. Durch den Rotary Club Neu Wulmstorf habe ich die Möglichkeit, das Schuljahr 2013/14 hier in Argentinien zu verbringen.

Ich habe mich Ende August mit anderen deutschen Austauschschülern über Frankfurt in Richtung Süden aufgemacht. Meine Vorstellungen von Argentinien bestanden vor meinem Austausch aus Tango, Fleisch und Fußball. Seit 5 Monaten lebe ich hier und ich sage euch: Argentinien bietet viel mehr.

Ich lebe in Santa Fé de la Vera Cruz. Das ist eine Stadt sieben Stunden Autofahrt nördlich von Buenos Aires mit ungefähr 370.000 Einwohnern. Das Gebiet wird auch Pampa genannt. Santa Fé liegt an dem Fluss Río Salado und besitzt eine lange Strandpromenade zum Spazierengehen oder Laufen.

 

 

 

Durch Rotary habe ich 3 Gastfamilien. Ich habe im Dezember nach 3 Monaten in meine zweite Gastfamilie gewechselt. Das Haus meiner jetzigen Gastfamilie befindet sich in einem privaten Bereich außerhalb von Santa Fé mit einem großen Pool und viel Platz, um Laufen zu gehen. Ich habe drei Gastgeschwister im Alter von 27, 25 und 17. Mit meiner 17-jährigen Gastschwester Guili verstehe ich mich super und zusammen mit meinen Gasteltern Juan Carlos, den alle Panchi nennen, und Sonia fühle ich mich hier endlich zu Hause.

 

 

 

Es ist hier ein Privileg, in einem privaten Bereich zu leben und dazu noch einen Pool zu haben, da viele Menschen hier weder Auto noch ein richtiges Haus besitzen oder in Hütten aus Müll leben. Auf vielen Autokreuzungen werden Blumen oder gefälschte Sportartikel angeboten und in der Haupteinkaufsstraße betteln kleine Kinder oder Mädchen mit Babys in den Armen, um ein wenig Geld. Man geht immer mit Abstand an diesen Menschen vorbei und würdigt sie keinen Blickes, auch weil diese einen oft ausrauben. Ich habe das Glück gehabt, noch nicht ausgeraubt zu werden, gehe aber nach 8 Uhr abends nicht mehr alleine durch die Straßen oder zeige kein Handy, Uhr oder MP3 Player öffentlich.

Seit dem 27. November habe ich jetzt Ferien und genieße diese in vollen Zügen. Erst am 6. März kehre ich zu meiner kleinen katholischen Privatschule in der Stadt zurück, da man im Sommer nicht lernen kann. Wir hatten die letzten Tage schon so um die 53 Grad, wobei die Luft sehr stickig ist und man nicht atmen kann und eigentlich den ganzen Tag nur im Pool liegt oder Mittagspause macht.

In meiner Schule sind wir 301 Schüler und Schülerinnen. Ich bin die erste Austauschschülerin und auch die einzige natürlich blonde. Alle tragen, bis auf die Lehrer, Schuluniform. Diese besteht aus einem roten T- Shirt mit dem Schullogo, und für die Mädchen gibt es einen echt grässlichen grauen Rock und für die Jungs Jeans. Wir dürfen die Haare nicht offen tragen, uns die Haare nicht färben und keine Ohrringe sowie Armbänder tragen; auch werden keine Turnschuhe oder Flip Flops erlaubt. Die Regeln werden sehr ernst genommen und wenn man dagegen verstößt, bekommt man gleich einen Eintrag. Ich bin bisher immer mit Jeans und Turnschuhen zur Schule gegangen und auch die Armbänder habe ich an meinen Armen behalten. Die Uniform ist alles in allem ganz nett, weil alle gleich aussehen, man sich nie Gedanken über Kleidung machen muss und man sich auf der Straße der Schule zuordnen kann. Jedoch ist die Schuluniform nicht die schönste und auch ist es nervig, jeden Tag das gleiche zu tragen. Die Schule startet immer von montags bis freitags um 13:30. Das ist so richtig schade, da alle Sportarten nachmittags stattfinden und man nach der Schule auch nichts mehr machen kann. Nach Hause kann ich immer so gegen 18:00 oder 19:20 gehen.

 

 

 

 

Als Fächer haben wir Geografie (Erdkunde), Spanisch, Physik, Englisch, Edi (ich habe keine Ahnung was das ist), Philosophie, Geschichte, Mathe, Religion und Soziologie. Ich verstehe in vielen Fächern schon ziemlich viel und kann an einigen Fächern auch teilnehmen. Einige Lehrer helfen mir, aber andere registrieren nur, dass ich da bin und tun nichts. Ich will es denen ja nicht übelnehmen, aber ich verstehe in Soziologie und Philosophie sehr wenig. Wenn es regnet, fällt immer die Schule aus, da die Zufahrtsstraßen überschwemmt sind und keiner dort mit dem Auto durchkommen kann.

Ich hatte vor dem Auslandsjahr ein Jahr Spanischunterricht im Gymnasium Neu Wulmstorf. Nur ist das argentinische Spanisch total anders. Seit 5 Monaten bin ich jetzt hier und kann mich mittlerweile gut in der Stadt verständigen und auch die Fernsehnachrichten oder schwere Konversationen verstehen. An den ersten Tagen war das eher so ein Reden mit den Händen, was die Argentinier hier gerne benutzen. Man kann im Castellano (argentinisches spanisches) perfekt fluchen. Es gibt irre viele Wörter, die regelmäßig verwendet werden und zu denen es natürlich auch die entsprechenden Handzeichen gibt. Wenn zum Beispiel jemand einem so richtig auf die Nerven geht, formt man die Hände, als würde man eine Wassermelone tragen. Diese Wörter habe ich natürlich durch meine Freunde schon in den ersten Tagen in der Schule perfekt gelernt.

In den Ferien gehe ich jeden Morgen von Montags bis Samstags in einem Club rudern. Wir rudern den Fluss rauf und runter oder arbeiten auf dem Land mit der Rudermaschine. Nebenbei gehe ich ins Fitnessstudio und Laufen. Wenn die Schule wieder anfängt, kann ich dann auch wieder Handballspielen. Es macht mir alles Spaß, auch weil die Leute einfach super nett sind und immer Fragen stellen oder versuchen einen einzubinden. In den ersten Monaten bin ich Tango tanzen gegangen. Nur musste ich das wegen der Schule aufgeben, und außerdem tanzen hier nur die Alten und Menschen in Buenos Aires.

 

 

Von Fußball kennen hier alle natürlich den FC Bayern München, aber das war’s auch schon. In den Nachrichten wird immer über Messi geredet, auf den alle stolz sind und der für die Argentinier als der beste Spieler der Welt gilt. In den Stadien gibt es öfters Massenpaniken, weshalb Frauen oder auch Kinder nicht oft  ins Stadion gehen. In meiner Stadt gibt es zwei Fußballvereine, die sich hassen wie die Pest, jedoch in zwei verschiedenen Ligen spielen.

NICHTS FÜR VEGETARIER ODER VEGANER

Wofür Argentinien berühmt ist, das ist natürlich das Fleisch. Ich esse jeden Tag Fleisch und liebe es. Hier gibt es keinen Gas-Grill, sondern nur Parrillas. Jedes Haus besitze einen großen Steingrill, der immer von dem Mann in der Familie zubereitet und gepflegt wird.

 

 

 

 

 

 

Oft wird ein ganzes Schwein gegrillt oder auch die Gedärme gegessen. Ich habe an meinem ersten Wochenende die ganzen Organe durchprobiert. Mein Gastvater hat einfach gesagt, dass ich das alles mal probieren sollte, und ich habe ehrlich gesagt vorher nicht wissen wollen, was ich dort gegessen habe. Danach wurde ich dann aufgeklärt: Rinderdarm, Rinderleber, Rinderniere, Blutwurst, Rinderzunge, Rinderrippe und weitere. Ich glaube das auf dem Bild ist Rinderniere. Auch essen wir viel Eis und Wassermelone, was bei den hohen Temperaturen immer nötig ist.

 

 

 

 

 

Anfang Oktober habe ich mit meiner ersten Gastfamilie das deutsche Oktoberfest in Cordoba besucht. Ich war die einzige Deutsche und konnte in einer Bar auch als einzige die Lieder, wie „In München steht ein Hofbräuhaus“ mitsingen. Cordoba liegt 6 Stunden nördlich von Santa Fé entfernt und wir sind dort mit dem Auto hingefahren.

 

 

 

 

Wenn man aus der Stadt raus fährt, sieht man oft nur weite Flächen ohne einen einzigen Berg. Cordoba liegt in den Bergen und ist ein großes Touristengebiet. Hier seht ihr die Weiten der Pampa.

 

 

 

Auf der Straße wird mir oft von irgendwelchen Männern hinterhergerufen oder man wird so richtig offensichtlich angestarrt. Daran musste ich mich erstmal gewöhnen und auch ein Auge draufbehalten, da auch schon viele Frauen verschleppt oder einfach mitgenommen wurden.

In Argentinien gibt es eine hohe Inflation, die das Leben hier sehr beeinflusst. Als ich angekommen bin, lag der Euro bei 6,35 €. Jetzt sind wir bei 10,96€ angekommen. Die Regierung verbietet den Einwohnern die argentinischen Pesos zu anderem Geld umzutauschen. Die Präsidentin habe ich, seitdem ich hier bin, noch nie im Parlament diskutieren sehen und auch sonst ist sie relativ selten im Zusammenhang mit der Politik im Fernsehen zu sehen. Alle Menschen, die ich kenne, wünschen sich einen neuen Präsidenten in ihrem Land, der die Probleme der Sicherheit, Korruption und verschwindenden Personen lösen kann. Nur wird jeder einzelner Politiker, wird gesagt, wenn er am Ziel seiner Macht ist, irgendwann korrupt. Viele Menschen möchten jedoch nichts gegen die Regierung tun oder demonstrieren, da man Angst hat, dass einem irgendwas weggenommen wird oder man im schlimmsten Fall umgebracht wird.

Das Lieblingsgetränk vieler Menschen hier ist Mate. Das trinkt man bei jeder Situation und bei jedem Wetter heiß, nur nicht  beim Essen. Es wird in einem speziellen Becher mit Pulver und heißen Wasser vorbereitet. Dann trinkt man das aus einem Eisen-Strohhalm und genießt. Die Jugendlichen, die wie ich nicht bei 35 Grad heißen Mate trinken können, trinken Terere. Der Unterschied dabei ist, dass statt heißem Wasser Orangensaft in den Matebecher gegeben wird.

 

 

 

 

 

Mit den anderen Austauschschülern verstehe ich mich super. In unserer Region gibt es 4 Deutsche, 3 Belgier, 1 Amerikaner, 1 Österreicher und  1 Schweizerin. Wir machen oft an den Wochenende etwas zusammen oder haben Camps, bei denen wir uns treffen.  Für mich sind sie alle dicke Freunde geworden, weil alle die gleiche Situation haben und alle diese Jahr einfach nur genießen wollen.

 

 

 

In Argentinien nervtmanchmal, dass bei vielen Familien der ganze Tag der Fernseher läuft und man sich nicht unterhalten kann oder alle auf den Fernseher starren.

Argentinien hat alle Klimaformen der Welt, von subtropisch bis ozeanisch, und hat viele Orte, die viele Menschen beeindrucken, wie zum Beispiel die größten Wasserfälle der Welt in Iguazu. Die Menschen sind hier alle sehr nett und interessieren sich alle für mich und oft finde ich mich in kleinen Smalltalks in irgendwelchen Läden oder bei Freunden wieder. Für viele ist die Familie sehr wichtig, und in meiner Gastfamilie haben wir fast täglich andere Familienmitglieder, die zu Besuch kommen.

Argentinier gehen liebend gerne feiern. Die Jugendlichen gehen oft schon mal jeden Samstagabend in die Disko in einem kleinen Dorf, wo von 1 Uhr nachts bis ungefähr 8 Uhr morgens durchgefeiert wird. Alkohol darf erst an 18 jährige verkauft werden, aber das interessiert in den Diskos keinen. Die Musik, die meistens gespielt wird, heißt Cumbia und existiert nur hier in Südamerika. Ich höre oft auch Reaggeton oder Folkore, was auch wieder südamerikanische Musikstile sind.

 

 

 

Beim Reden benutzen Argentinier immer ihre Hände zum Gestikulieren oder einfach, um noch mehr Ausdruck  zu ihren Worten zu bringen. Einige schreien auch in ihr Handy wenn sie auf der Straße telefonieren, und lassen alle an ihren Problemen teilhaben. Beim Begrüßen gibt man sich immer einen Kuss auf die recht Wange. Nie die linke.

Das Wetter ist sehr wechselhaft. Im Dezember hat es zum Beispiel nur einen Sturm gegeben und sonst hatten wir jeden Tag mindestens 38 Grad in der Sonne. Ich habe schon einige Sonnenbrände bekommen und habe daher jetzt eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 65. Nach einigen sonnigen Tagen kommt immer Regen oder ein Sturm, bei dem oft  der Strom für einige Stunden ausfällt. Vor einigen Tagen haben wir Temperaturen von bis zu 53 Grad erreicht, bei dem man nur im Pool liegen und Terere trinken konnte. Im Juni/Juli wird es Winter. Der ist hier sehr mild und dabei schneit es hier nie.

Jeder hat hier einen oder mehre Hunde. Meine Gastfamilie hat nur einen kleinen Hund, aber es gibt auch Menschen wie meinen Ruderlehrer, der 4 Hunde in seinem Haus leben hat. Auf allen Straßen in der Stadt laufen Hunde frei rum, die keine Besitzer haben oder ausgesetzt wurden. Oft tragen sie Krankheiten mit sich herum oder verfolgen einen in jeden einzelnen Laden.

Die Hälfte meines Austauschjahres ist schon vorbei und ich kann sagen, dass ich Argentinien lieb gewonnen habe. Vielleicht hat es nicht die beste Sicherheit und auch keine optimale Bildung, aber dafür sind die Menschen super nett und höflich hier. Ich bin zwar blond und falle auf der Straße immer auf, aber ich kann mich verständigen und fühle mich bei meiner Familie wohl.

Argentinier sagen, sie haben ein leckeres Land: Voller Freude und Passion beim Reden, voller Musik und Liebe zum Feiern, voller unendlicher Weiten und Bergen in der Pampa sowie in dem Süden, voller guter Weine und leckerem Fleisch, voller freundlicher Menschen und Liebe zum Fußball und Tango.

Ich bin stolz darauf, deutsch zu sein, und trage meine Flagge gerne bei Rotarytreffen, um anderen zu zeigen, woher ich komme. Aber ich bin auch stolz darauf, dieses Land besuchen zu dürfen und alle diese netten Menschen kennenzulernen, die mir ihre Türen öffnen und oft auch ihren Geldbeutel, um mir ihr Land zu zeigen.

Das sind meine Erfahrungen über das Land am „Po“ der Welt, wie so schön gesagt wird.

Viele Grüße

Eure

Dorothea

 

Seite zuletzt geändert am 03.02.2014, 11:53 Uhr von Ralph Werner-Dralle
 

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