Inhalt

 

Anna, eine junge Frau aus Louisiana, macht sich auf den Weg in die großen Städte der USA, um für ihre Eltern und ihre Brüder Geld zu verdienen. Damit soll ein kleines Haus am Missisippi gebaut werden. Anna ist eine spontane und selbstbewusste Person, muss auf ihrer Reise durch sieben Städte aber lernen, die sieben Todsünden des Kleinbürgers (Faulheit, Stolz, Zorn, Völlerei, Unzucht, Habsucht und Neid) zu unterlassen und sich anzupassen.

Brecht sieht in diesen "sieben Todsünden des Kleinbürgers" aber keine Fehler, sondern natürliche Bedürfnisse und Rechte des Menschen, die lediglich vom kapitalistischen System verteufelt und unterdrückt werden. Die Anpassung an dieses System verformt nach Brechts Meinung die menschliche Natur. Diese Selbstentfremdung macht Brecht in der Form deutlich, dass Anna von zwei Personen dargestellt wird, die jeweils eine Seite Annas verkörpern.

 

Zur Inszenierung

 

"Die sieben Todsünden der Kleinbürger" von Brecht ist ein Ballett mit Liedern. Die Theater-AG hat daraus ein Theaterstück gemacht, indem sie zu den sieben Todsünden Szenen entwickelt hat. Teilweise ist sie dabei Brechts Anregungen für Tanzszenen gefolgt, teilweise sind die Szenen frei erfunden.

Dieser freie Umgang mit der Vorlage folgt dem Vorgehen Brechts, der noch viel freizügiger mit den Texten anderer umgegangen ist, indem er sie umgeschrieben und manchmal direkt gegen die Absicht dieser Personen interpretiert hat. U.a. hat er das auch mit dem Dekret des Papstes Gregor VI über die sieben Todsünden getan.

In unserer Version darf GregorVI kurz auftreten und seinen Standpunkt verteidigen; im Übrigen aber ist die Inszenierung im Sinne Brechts.

 

 

Die selbstentfremdete Anna tritt in zwei Personen auf: als angepasste Anna I (Christin Eckelmann) und als unangepasste Anna II (Isabel Koch).

Anna I erklärt, wie man sich in der Welt verhalten muss, Anna II wird durch die Anforderungen der Welt zerstört.

Die Hausfrau (Nele Detjen) gibt Anweisungen für die Reinigung der Wohnung,

Anna II neigt gelegentlich zu Faulheit.

Im Kabarett tanzt der fesche christliche Verein junger Männer ( Boris Scheiter, Sebastian Rieck, Marcel Grigo, Chrisian Rieck) zu "YMCA".

Dort treten auch die "Spaßgirls" auf, unter ihnen Anna II.

Als Tänzerin muss Anna II auf ihr Gewicht achten und darf keine Süßigkeiten essen,

damit ihre Familie genug zu futtern hat.

"Sein (Vibrato) oder nicht sein (Vibrato)": Der Star (Marcel Grigo) kommt über die zweite Zeile nicht hinaus.

Der reiche Edward (Boris Scheiter) erklärt Anna II seine Liebe.

Anna II schenkt ihre Liebe aber dem armen Straßenmusikanten Fernando (Christian Rieck), Anna I macht ihr klar, dass sie so nie zu einem Häuschen am Mississippi kommt.

Das Ensemble von "Sieben Todsünden" stellt sich dem Applaus des Publikums.

Seite zuletzt geändert am 06.12.2008, 15:49 Uhr von Edmund Linden
 

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