Fahrt nach Polen

 

Theater-AG spielt „Pygmalion“ in Polen


 

Die Theater-AG fuhr kurz vor den Osterferien 2006 nach Polen, um anlässlich des Germanistentages an der Fachhochschule in Konin ihre letzte Produktion, „Pygmalion“, aufzuführen. Die Anregung dazu stammte von Herrn Ziemann, der viele Jahre an unserer Schule als Koordinator gearbeitet hat, später Schulleiter am Gymnasium Meckelfeld war und von 1992-1994 die Germanistikabteilung in Konin aufgebaut hat. Er machte nach der Premiere von „Deadline“ den Vorschlag, dieses Theaterstück in Konin aufzuführen. Wir hielten es aber für passender, „Pygmalion“ zu spielen, weil die in diesem Stück im Vordergrund stehenden Sprachübungen der Situation der Deutschschüler und der künftigen Deutschlehrer eher entgegenkamen und wir mit einem lustigen Stück etwas gegen die in Polen verbreitete Vorstellung, alles Deutsche sei schwer und problematisch, tun wollten. In blindem Vertrauen kaufte Herr Ziemann dieses Stück dann unbesehen.

Nachdem wir aber mit „Deadline“ beim Schultheaterwettbewerb prämiert und zur Aufführung nach Berlin eingeladen waren, war uns die Polenreise eigentlich zu viel; aber wer A sagt, muss auch B sagen. So blieb uns nur die heimliche Hoffnung, Herr Ziemann möge beim Beschaffen der Gelder für Fahrt, Unterkunft und Verpflegung scheitern. Nachdem er aber 10.000 Zloty (sprich: Swotte) beim deutsch-polnischen Jugendwerk locker gemacht hatte, konnten wir nicht mehr absagen.

Also ging´s am 29. März los. Herr Ziemann karrte mit seinem Pkw das Bühnenbild nach Konin. Leider hatte der Anhänger einen so hohen Luftwiderstandswert, dass die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h nur bei kräftigem Rückenwind überschritten werden konnte. Trotzdem erreichten wir das Ziel gegen 18.00 Uhr, wo es uns mit Unterstützung von drei Studenten gelang, bis 21 Uhr die Bühne aufzubauen. Die Schauspieltruppe fuhr erst nach der 8. Stunde, also gegen 15 Uhr, von der Schule ab und erreichte deshalb ihr Ziel, eine Jugendherberge im Schatten eines gigantischen Kohlekraftwerks, erst in der Nacht um 1 Uhr. Einige zeigten sich vom langen Schultag und der noch viel längeren Busfahrt ziemlich erschöpft und äußerten die Vermutung, sie müssten inzwischen wohl Sibirien erreicht haben.

Am Donnerstag um 10.30 Uhr war dann Eile geboten bei der Stellprobe, beim Verkleiden, Frisieren und Schminken; denn um 12.30 Uhr war Vorstellung. Leider war die riesige Aula nur knapp zur Hälfte gefüllt, weil viele Schulklassen aus der Umgebung schon zu ihren Bussen mussten, sodass außer den Dozenten und den Germanistikstudenten nur Schüler aus der näheren Umgebung bleiben konnten.

Die Aufführung aber war ein großer Erfolg. Mit geradezu professioneller Souveränität wurden alle Probleme gemeistert: die unbekannte Bühne und zusätzliche Rollen für einige Schauspieler, die zwei Schülerinnen ersetzen mussten, die nicht mitreisen konnten. Spitzenwert erreichte Lilia, die vier verschiedene Rollen mit vier verschiedenen Kostümen spielte, abgesehen davon, dass sie schon in ihrer Rolle als Aschenputtel sich sechsmal umziehen musste. Mit Rücksicht auf die fremdsprachigen Zuhörer und die Größe des Saals bemühten sich die Schüler um besondere Lautstärke und deutliche Aussprache. Auch unterstützten sie die Worte durch gesteigerte Gestik. So verbalisierte Nadine nicht nur das Gehoppse, bei dem Onkel Charly hopps gegangen war, sondern führte es gleich andeutungsweise vor. Das Publikum zeigte sich begeistert. Frau Prof. Miczko, die nur bis zur Pause bleiben wollte, ließ ihren Termin in Posen sausen und blieb bis zum Ende. Und Daria, eine junge Lehrerin, die mit ihrer Klasse aus dem 30 km entfernten Kolo angereist war, schrieb nachträglich, nachdem sie schon nach der Aufführung den Schauspielern gratuliert hatte: „Das ausgezeichnete Stück habe ich immer noch vor Augen. So gut habe ich mich lange nicht mehr amüsiert. Auch meine Schüler und meine Arbeitskollegin waren von dem Stück begeistert.“ Auch die Lokalpresse berichtete freundlich.

Die zweite Aufführung im Lyzeum 1 in Konin war dann ein Selbstgänger: Einige Schüler, die schon die erste Aufführung gesehen hatten, hatten ordentlich Reklame gemacht. Der kleine Theatersaal war übervoll, und es herrschte eine freudige Erwartungshaltung. Obwohl für die Vorbereitung dieser verkürzten Aufführung nur eine Stunde Zeit blieb – Auspacken der Kartons mit den Kostümen, Verkleiden, Schminken, kurze Besichtigung der Bühne und Besprechung der verkürzten Fassung – wurden die Erwartungen der Zuschauer nicht enttäuscht. Zwar fragte Julia zwischendurch mit geschlossenen Lippen und in vornehmer englischer Haltung die neben ihr sitzende Lisa: „Weißt du, wie´s weitergeht?“, worauf sie mit ebenso geschlossenen Lippen und ebenso vornehmer englischer Haltung die Antwort erhielt: „Keine Ahnung“, trotzdem klappte alles. Zwar passten die aufgespannten Schirme nicht durch den Ausgang, wie sich beim Abgang zeigte; im zusammengeklappten Zustand oder schief gehalten funktionierte es dann doch. Und Klaus und Bastian studierten so lange intensiv Elizas neue Schuhe, bis Sarah sich umgezogen hatte und auf den Stöckelschuhen ihre artistischen Gehübungen zelebrieren konnte. Das Publikum zeigte sich jedenfalls begeistert, und als Julia die Schlussverse des Märchens vorlas, sprachen einige Schüler gleich mit: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch.“

Am Abend stand der Besuch der Disco „Extreme“, die eigentlich eine Kellerbar war, auf dem Programm. Berauscht vom Erfolg und unterstützt von etwas Alkohol herrschte eine ausgelassene Stimmung, die in deutsch-polnischen und deutsch-amerikanischen Brüder- und Schwesterschaften endete. Einige der Studenten werden auch im Rahmen des regulären Besuchs im September nach Meckelfeld kommen, wo dann die neu geschlossenen Freundschaften wiederbelebt werden sollen. Mit sechs Taxis ging es nach Mitternacht zurück zur Jugendherberge, die nicht schwer zu finden war, weil die gespenstischen Türme des Kohlekraftwerks den Weg beleuchteten.

Am Samstag besuchten wir Posen, die schöne ehemalige Hauptstadt Polens, anstelle der eigentlich vorgesehenen jetzigen Hauptstadt Warschau, weil wir die 4-stündige Fahrt dorthin scheuten. Zwar zeichnete sich unsere Führerin in Posen nicht geradezu durch frappante Kompetenz aus, die Stadt aber ist wirklich schön, und beim Besuch des Doms konnten wir eine eindrucksvolle Probe des „Halleluja“ von Händel durch einen enthusiastischen Chor miterleben.

Frühstück und Abendbrot gab es in der Jugendherberge, Mittagessen im Studentenwohnheim.

Der Herbergsvater meinte es gut mit uns und servierte uns schon zum Frühstück Kraftnahrung für ausgehungerte polnische Landarbeiter in Form von drei fetten Würstchen pro Person. Es gelang uns aber, ihn davon zu überzeugen, dass wir seinen Garten nicht umgraben wollten.

Betreut wurden wir vorzüglich. Darek, der Leiter der Germanistikabteilung, hatte uns für alle Unternehmungen Studenten zugeteilt, die ihrer Aufgabe ausgezeichnet gerecht wurden. Gelegentlich tat er auch des Guten zuviel, als er uns beispielsweise am Freitag um 9 Uhr noch unbedingt das Museum der Stadt Konin zeigen wollte, obwohl wir um 11 Uhr sechs Kilometer entfernt auf der Bühne stehen sollten.

Insgesamt war die Fahrt erfolg- und lehrreich. Wir bekamen nicht nur eine moderne polnische Industriestadt zu sehen, sondern lernten auch Einiges über polnische Zurückhaltung und Höflichkeit, z. B. dass man im Theater nicht so laut lacht, auch wenn einem danach zumute ist, weil man die Schauspieler nicht unterbrechen darf, und dass man sich nicht beschwert, wenn man eine Pizza ohne Fleisch bestellt und dann doch eine mit Fleisch erhält, weil man den Koch, der sich doch Mühe gegeben hat, nicht frustrieren soll.

Am Samstagabend bat Frau Möller die Schüler, ihre Eindrücke wiederzugeben und ein Fazit zu ziehen: Bastian fasste mit allgemeiner Zustimmung sein Urteil in dem Satz zusammen: „Wenn man das Pro und Contra gegeneinander abwägt, kommt man zu dem Ergebnis: Die Sache war megageil.“


 

Seite zuletzt geändert am 22.01.2009, 19:45 Uhr von Edmund Linden
 

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