Protokoll Baars: Ausflug des Geschichts-LK nach Osnabrück


 

1. Referat von Nils über die Bibliographie Felix Nussbaums:

  • Nussbaum wurde am 11.12.1904 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns und Hobbymalers in Osnabrück geboren

  • Sollte nach Wunsch des Vaters Malerei studieren

  • Verließ Gymnasium ohne Abitur, studierte dann ab 1922 Malerei in Hamburg

  • Ab 1923 setzte er Studium in Berlin fort

  • Lernt 1924 Felka Platek in Berlin kennen

  • Ab 1927 lebte er mit seiner späteren Ehefrau zusammen

  • Erste Erfolge mit Malerei: 1928/1929

  • Durchbruch mit der Malerei: 1931 mit der tolle Pariser Platz

  • 1932 Kunststipendium

  • 1932 lebte er in der römischen Villa Massimo

  • 1932 ein großer Teil seiner Werke geht durch einen Brand verloren

  • 1933: Verliert Stipendium aufgrund einer Auseinandersetzung mit einem anderen Künstler

  • Heiratete Felka Platek 1937 in Brüssel

  • Lebte ab 1940 in Brüssel

  • Erste Verhaftung: 10.5.1940 in Brüssel

  • Ihm gelang die Flucht

  • Anschließende Rückkehr zu seiner Ehefrau nach Brüssel

  • Lebte mit seiner Frau bei einem unbekannten Kunsthändler

  • Von dort aus am 20.6.1944 inhaftiert und mit 562 weiteren Juden am 31.7.1944 nach Auschwitz deportiert

  • Traf mit seiner Frau dort am 2.8.1944 ein

  • Vermutlich in Auschwitz ermordet

  • Stolperstein für ihn platziert, Felix-Nussbaum Schule und Felix-Nussbaum Haus eröffnet


 


 

2. Referat von Christian zur 25 Jahr Feier des IMIS

  • Institut am 29. Mai 1991 gegründet

  • Vorgeschichte fängt in den 80er Jahren an

  • Ziel: Migration besser verstehen

  • Forschungsinstitut breit aufgestellt

3. Besuch bei Jochen Oltmer:

  • Zunächst gab uns Jochen Oltmer einige Informationen zum Forschungsinstitut:

IMIS ist das einzige Institut in Deutschland, dass sich fächerübergreifend mit Migration beschäftigt. Nur wenige beschäftigen sich mit Migration und den daraus resultierenden Folgen. In Deutschland gibt es zu dem Thema Migration nur wenige Studienangebote. In anderen Ländern gibt es viel mehr Studienangebote.

  • Dann ging Oltmer auf das Erscheinen seiner Theorie im Kerncurricula ein:

Es ist ein Zufall, dass seine Theorie im niedersächsischen Kerncurricula auftaucht. Die ursprüngliche Idee sah es vor, ein eigenes Modul zur Migration zu entwickeln. Dieses sollte sich auf unterschiedliche Teilgebiete aufteilen und somit auf mehrere Semester aufteilbar seien. Auf der Ebene des Landtags ist diese Idee jedoch nicht durchgesetzt worden, da die Lehrerverbände das Thema Nationalsozialismus stärker vertreten haben wollten. In Zukunft wird das Thema Migration jedoch verstärkt in die Lehrpläne eingebaut werden. Das zeigt der Vergleich mit anderen Bundesländern.

  • Auf die Nachfrage welchen Nutzen die Migrationsforschung für die Gesellschaft habe antwortete Oltmer uns, dass die Universitäten oft als lebensfremd wahrgenommen werden und sich fernab der Realität befinden. Dies gelte insbesondere für Historiker. Daher versucht das IMIS die Universität als eine gesellschaftliche Veranstaltung zu proklamieren. Die Forschung sei möglichst breit aufgestellt und Wissen durch Publikationen, Bücher und Veranstaltungen verbreitet. Es herrsche zudem eine stetige Auseinandersetzung mit den Medien. In der Forschung stelle sich zudem die Frage welche Rückschlüsse man aus der Geschichte für die Gegenwart ziehen könne. Die Gegenwart könne nur in Hinblick auf die Vergangenheit erklärt werden, da die Gegenwart eine stetige Fortentwicklung seie.

  • Dann ging Jochen Oltmer auf die oft verbreitete Aussage : „Wir leben im Zeitalter der Migration“ ein. Dies seie eine nicht nachgewiesene theoretische Behauptung, die ohne Beachtung der Vergangenheit aufgestellt worden seie. Migration habe schon immer stattgefunden. Auch der heutige Umfang seie nicht ungewöhnlich.

  • Auf die Nachfrage welche Zukunftsperspektiven die Migrationsforschung biete antwortete Oltmer, dass die Anzahl der Studiengänge weiter zunehmen werde, da die Nachfrage weiter steigen werde. In der Regel würde sich für Studienabsolventen in relativ kurzer Zeit Arbeitsmöglichkeiten ergeben. Die Studiengänge würden vor allem im Bereich des Master Studienganges zunehmen. Im Bachelorstudiengang würden es eher weniger Angebote geben. Für einen Masterstudiengang im Bereich Migration sei deshalb ein Bachelor Studiengang aus verschiedenen Bereichen möglich. Im Masterstudiengang treffe man auf eine große Vielzahl von Absolventen von verschiedenen Studiengängen. Dies ermögliche verschiedene Blickwinkel auf die Migration.

  • Im Weitern ging Jochen Oltmer auf seine Theorie und dessen Weiterentwicklungen ein:

  1. Inzwischen spreche er nicht mehr von Zwangsmigrationen, im Hinblick auf Flucht und Vertreibung, sondern von Gewaltmigrationen, da der Begriff Zwang nicht klar definierbar sei. So könne es auch ökonomischen Zwang geben.

  2. Zudem ging er darauf ein, dass der Lebensmittelpunkt schwer definierbar sei. So leben Menschen auch translokal und haben somit unterschiedliche Lebensmittelpunkte. Z.B. Erntearbeiter.

  3. Ein zentrales Element sei der Begriff der Grenze. Hierbei unterscheidet man zwischen Staatsgrenzen oder Grenzen von Territorien. Diese Definition helfe jedoch wenig, wenn man sich die historische Migration anschaue, da es Nationalstaaten in ihrer vollen Ausprägung erst seit den 30er oder 40er Jahren gibt und sie daher ein relativ neues Phänomen darstellen. So gab es früher Imperien (z.B. Frankreich oder Belgien) die über Kontinente hinweg gingen. Nach dieser UN-Definition sei ein Bewegung von einer Kolonie in das zentrale Land keine Migration, da keine Staatsgrenze überquert wurde. Wo hingegen eine Bewegung über wenige Kilometer im 19. Jahrhundert, nach dieser Definition, eine Migration darstelle. Eine weitere Definition definiere Migration als die Überschreitung von Kulturgrenzen. Da der Begriff Kultur jedoch nicht klar definierbar sei, helfe jedoch auch diese Definition nicht weiter.

  4. Die klassische Annahme der Migrationsforschung, dass Menschen aus ihrer Heimat weggehen weil es ihnen dort schlecht gehe sei ebenfalls zu kurz gegriffen, da sie nur auf das Problem verweise. Die Fokussierung auf die Notlage helfe beispielsweise nicht bei der Erklärung von Bildungsmigrationen.

  5. Viel wesentlicher sei die Chancenwahrnehmung. Menschen verlassen ihre Heimat, weil sie sich andernorts bessere Chancen erhoffen. Doch diese Annahme erklärt nicht, weshalb nicht alle weggehen obwohl sie sich in der gleichen Situation befinden. Daher gehe es vor allem um die Frage wie Chancen vermittelt werden. Migration sei kein Ausgleich, sondern finde in Netzwerken statt. Die Informationen über Chancen werden in Netzwerken verbreitet (z.B. in Auswandererbriefen). Netzwerke sind daher sehr wichtig um die Migrationsbewegungen zu verstehen, da sie auch zu Kettenwanderungen führen. Die Pioniermigranten holen ihre Verwandten und ihre Familie nach.

  6. Eine weitere Form der Migration sei die Entsendung von Arbeitnehmern im Rahmen von Organisationen und Institutionen. Dies stelle einen eigenen Migrationskanal dar.

  7. Eine weitere Form der Migration sei die Migration vor dem Hintergrund von Krisen.

  8. Ebenfalls zu beobachten seien Kulturwanderungen, Wohlstandswanderungen oder Lebensstilwanderungen. Diese stellen heutzutage eine relativ hohe Anzahl der Migrationen, spielten aber auch früher eine Rolle.

  9. Zudem gebe es noch Zwang- und Gewaltwanderungen, die sich auf ganz verschiedene Unterformen aufteilen. Sie sind ohne Rückkehroption. In der Migrationsforschung stellt sich die Frage der historischen Zusammenhänge. Zunächst gebe es die kriegsinduzierten Zwangswanderungen zur Herrschaftssicherung, zur Realisierung kriegswirtschaftlicher Zwangsarbeit, Fluchtbewegungen oder Evakuierungen in der Situation des Krieges (diese sind immer zu beobachten). Im Zuge der Kriegshandlungen flieht ein großer Teil der Zivilbevölkerung. Die Flucht der Deutschen lief nach einem klassischen Muster ab. Eine weitere Form der Zwangswanderungen stellen die Vertreibungen dar. Im 19. und 20. Jahrhundert war die Vorstellung, auch jenseits der Kriege, vertreten, dass Minderheiten eine Gefahr darstellten. Dabei war es egal ob es sich um nationale oder zugewanderte Minderheiten handelte. Die Homogenität spielt eine ganz große Rolle für die Nationalstaatsvorstellung. Die Nationalität zeichne sich dabei durch eine einheitliche Sprache und Kultur aus. Für dieses Homogenisierungsprojekt stellten die Minderheiten eine Gefahr da. Minderheiten wurden ausgeschlossen, da ein Nationalstaat erst als geschlossen galt, wenn keine Minderheiten mehr dazugehörten. In Situationen von Kriegen wurde diese Minderheitenpolitik noch verstärkt. Kriege funktionieren nur aufgrund von der Erzeugung von Hass. Die dadurch erzeugte (auch rechtliche) Ausgrenzung schränkt Agency von Fremden, Minderheiten enorm ein, es gibt keine Unterstützer mehr, dies erhöht die Handlungsmacht der Täter auf verschiedensten Ebenen und produziert Non-Helping-Bystander. Vertreibungen können nur in der Situation von Kriegen oder in Situationen von riesigen Unterschieden von Handlungsmacht durchgeführt werden. Sich ungeliebten Minderheiten zu entledigen, kann nicht in Friedenszeiten funktionieren, da es an Platz mangelt. Erst in Situation des Kriegsendes ist so eine Massenvertreibung möglich. Der Krieg erzeugt starke Machtgefälle zwischen den Staaten. Die Vertreibung der Deutschen lässt sich durch mehrere Aspekte erklären. Zunächst der Hass und die Bestrafung vor dem Hintergrund des deutschen Raub-, Beute-, und Vernichtungskrieges 1939-1945. Jedoch auch die Vorstellung, dass ein Nationalstaat erst dann vollendet sei, wenn seine Bevölkerung homogen sei. Zudem sollten zukünftige Probleme mit nationalen Minderheiten vermieden werden- insbesondere vor dem Hintergrund der Politik des Deutschen Reiches, der Instrumentalisierung deutscher Minderheiten. Die Kapazitäten waren vorhanden und die Handlungsmacht der Deutschen gering. Nach der Flucht und Vertreibung war die Orientierung auf Rückkehr ganz zentral, weshalb sich viele Deutsche in den östlichen Gebieten ansiedelten. Es gab nach der Zwangsmigration eine erneute Migration.

  • Schließlich gab Oltmer noch einige seiner Publikationen herum.

  • Auf die letzten Nachfragen zu dem Erstarken der rechten Parteien in Europa und dem Phänomen Pegida, führte Oltmer dies auf die ökonomische Situation, sowie auf eine Angst vor allem Fremden zurück.

 

4. Besuch im Felix- Nussbaum Haus

Im Felix- Nussbaum Haus wurde uns zunächst etwas über die Architektur und die Lage des Hauses berichtet. Das Felix- Nussbaum Haus wurde von dem bekannten Berliner Architekten, mit jüdischen Wurzeln, Liebeskind designt. Das Haus steht im ehemaligen Museumsgarten neben der ehemaligen Parteizentrale der NSDAP in Osnabrück, da das ehemalige Wohnhaus Nussbaums einem Privateigentümer gehörte, der den Preis künstlich in die Höhe trieb. Liebeskind spielt mit seiner Architektur auf die verschiedenen Lebensabschnitte Nussbaums an. Der hölzerne Teil symbolisiert die Jugend Nussbaums, der Teil aus Beton steht für seine Zeit im Versteck und der metallene Teil für seinen Tod in Auschwitz. Das Nussbaum Haus ist mit dem kunsthistorischen Museum verbunden, was dafür steht, dass die Geschichte Nussbaums nicht von der Geschichte Osnabrücks trennbar ist. Zudem ist es auf die Koordinaten der alten Synagoge und seines Wohnhauses abgestimmt und hat keinen Ausgang. Besonders auffällig ist zudem der lange Gang aus Beton, der wie ein Gefängnis anmutet. Die Räume sind zudem nicht nummeriert, damit der Besucher sich seinen Weg, wie Nussbaum, bahnen muss. Alle Bilder in der Ausstellung sind Originale, bis auf den tollen Pariser Platz. Sie gehören nicht dem Museum selbst, sondern sind eine Dauerleihgabe der Sparkassen Stiftung. Im Laufe der Führung haben wir viele Bilder Nussbaums analysiert, die er in verschiedenen Lebensabschnitten malte. An Nussbaums Malstil ist die Technik des „Bild im Bild“, sowie der Surrealismus besonders. Seine Bilder erzählen aus seinem eigenen Leben, oft malte er auch Selbstbildnisse. Erst im Laufe seines Lebens begann er mit der politischen Malerei. In dem Bild „der tolle Pariser Platz“, kritisiert er die Kunstprofessoren, die nur die Kunst der Antike als Kunst ansahen und tief in der preußischen Wertewelt verwurzelt waren. Ebenfalls greift er in einem seiner Bilder die Konflikte zwischen den orthodoxen und den Reformjuden auf. In seinem Werk „ Selbstbildnisses mit Judenpass“, stellt er seinen Widerstand gegen das Nazi-Regime da, indem er den Judenstern auf der rechten Seite trägt. Zudem spielt er mit Elementen die für Hoffnung, sowie für Perspektivlosigkeit stehen. In einem weiteren Werk thematisiert er seine Gefangenschaft in Südfrankreich. Dort thematisiert er die verschiedenen Arten mit der stetigen Gefahr und der Gefangenschaft umzugehen. Sein letztes Bild, dass mittlerweile im zweistelligen Millionenbereich liegt, zeigt die Hoffnungslosigkeit Nussbaums. Es greift Elemente der Malerei zur Zeit der Pest auf. Skelette tanzen über den Trümmern der Zivilisation. Über ihnen steigen Drachen auf, die die Gesichter aus seinem vorherigen Werk aus der südfranzösischen Gefangenschaft stammen, auf. Vor dem Bild arbeitet Liebeskind mit einem Abgrund über dem der Besucher steht.


 


 


 

Seite zuletzt geändert am 06.07.2015, 23:37 Uhr von Ralph Werner-Dralle
 

Das Neueste

Dank an den Schulverein

Unterstützung für den Fremdsprachenwettbewerb   

Weiterlesen


Sprachenwettbewerb 2017

Bundesfinale Dresden

Weiterlesen


Jambo

Pfandflaschen für Tansania

Weiterlesen


Oberstufenbücher

Verkauf an Klasse 10

Weiterlesen


Klassenstufe 10:

Fahrt zur Ideen-Expo 2017

Weiterlesen



Aktualisiert


Gestern

Startseite


Neue Lehrkräfte


Das aktuelle Kollegium



3 Tage und älter

Beratungslehrer


Adressen


Frankreich


DasEineLied-Konzert-6-2017


DELF-AG


Schüleraustausch und Auslandsaufenthalt


Leistungsbewertung