Exkursion des Geschichte-Leistungskurses nach Osnabrück am 18.06.2015

 

Zunächst hörten wir uns in der Bahn auf dem Weg nach Osnabrück zwei Referate an über Felix Nussbaum sowie über das 25 jährige Jubiläum des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (kurz: IMIS).

 

Das Institut ist deutschlandweit das einzige, das sich (intensiv und schwerpunktmäßig) mit der Migrationsforschung beschäftigt. Es wurde 1991 offiziell gegründet, wobei erste Gedanken an ein Institut zur Migrationsforschung bereits in den 1980er Jahren aufkamen.

Der Historiker Jochen Oltmer ist Professor am IMIS und sein thematischer Schwerpunkt ist die Neueste Geschichte bis Gegenwart.

 

Nach einer kurzen Begrüßung mit Jochen Oltmer gingen wir zusammen in einen Seminarraum des Instituts, um uns von ihm einen Vortrag anhören zu dürfen und auch einige Fragen stellen zu dürfen. Auf die Frage, welchen Nutzen die Migrationsforschung für die Gesellschaft hätte, entgegnete Prof. Oltmer, man wolle die gewonnen Erkenntnisse mittels Verbreitung durch Vorträge, Medien wie z.B. Bücher, aber auch Internet und Publikationen für die Gesellschaft öffentlich und leicht zugänglich machen, da es in Deutschland selbst wenige Fachspezialisten auf diesem Gebiet gibt. Zudem erhalte das Institut oftmals Medienanfragen, z.B. für Nachrichten o.Ä. Es geht hierbei besonders darum, das gewonnene Wissen breit zu streuen.

 

Darauffolgend stieg Prof. Oltmer mit seinem Vortrag ein und erklärte uns die Migrationsbewegun­gen in Form von Flucht und Vertreibung im Bezug zur Gegenwart und auf die 1990er Jahre. Migration gebe es seit jeher und auch nicht, wie oft angenommen, heutzutage viel mehr als damals. Sie sei temporär und dynamisch und sei nicht von einem Tag auf den anderen abgeschlossen. Es sei vielmehr ein andauernder Prozess.

 

Danach hat Prof. Oltmer erklärt, der Lebensmittelpunkt sei dort, wo die Familie sei und man den Winter über lebe. Demnach könne bei einem Saisonarbeiter, der ein- oder zweimal im Jahr aus Polen nach Deutschland zur Ernte kommt, nicht davon gesprochen werden, dass er seinen Lebensmittelpunkt verlegt. Dies gelte auch für Pendler, die zum Arbeiten in andere Städte (täglich) hin- und herreisen müssen.

 

Außerdem sei es nicht ganz unproblematisch, wenn man vom Überschreiten der Grenzen spricht, da man definieren müsse, was mit dem Begriff Grenze gemeint ist. Es gibt zum einen territoriale oder staatlich festgelegte Grenzen, die Territorien abgrenzen und zum anderen „Kulturgrenzen“. Beim ersten ist anzumerken, dass Nationalstaaten eher ein neues Phänomen seien und es damals auch Imperien und Kolonien gab. Bei der Wanderung z.B. von Großbritannien zu einem seiner Kolonien kann man nicht davon sprechen, die Migranten würden Staatsgrenzen überschreiten, da sie innerhalb desselben Herrschaftsgebietes wandern.

 

Prof. Oltmer hob besonders hervor, dass es nicht nur Migration aufgrund schlechter Lebensbedin­gungen gebe, sondern sehr oft zur Chancenwahrnehmung wie der Arbeit oder Bildung. Migration finde darüber hinaus in gesellschaftlichen Netzwerken statt. Dieses könne aus der Familie und/oder aus Verwandten oder Bekannten bestehen, die z.B. ihre Verwandtschaft nachholen wollen.

 

Er kritisierte selbst, dass seine Bezeichnung „Zwangsmigration“ für die Migrationsbewegungen im Umfeld des zweiten Weltkriegs nicht vollständig treffend sei, weil die Form der Migration zu dieser Zeit vielmehr eine Gewaltmigration war. Denn Zwang könne auch als ökonomischer Zwang verstanden werden.

 

Neben Chancenwahrnehmung und Zwang und Gewalt als Migrationsmotive gibt es auch die Entsendungen (z.B. wenn ein Arbeiter von Airbus von Hamburg aus nach Toulouse geschickt wird, um dort (über eine längere Aufenthaltsdauer) zu arbeiten), Krise sowie Kultur/Wohlstand.

Im Umfeld des zweiten Weltkriegs war Migration durch Zwang in Form von Gewalt geprägt. Menschen wurden genötigt abzuwandern. Beispiele hierfür sind Flucht, Evakuierung, Deportation, Umsiedlung und Vertreibung.

 

Die Migrationsbewegungen im zweiten Weltkrieg haben stattgefunden zur Herrschaftssicherung Deutschlands, besonders in den Ostgebieten, zur Realisierung kriegswirtschaftlicher Zwangsarbeit (unter anderem für Waffen, Proviant, etc.) und als unmittelbare Folge des Kriegsgeschehen (z.B. die Flucht vor der Roten Armee).

 

Die nationale Integration stand im Vordergrund und wurde als Homogenisierungsprojekt (Aus- und Abgrenzungen) betrieben, indem die als nicht zugehörig gesehenen Gruppen ausgeschlossen wurden. Diese Minderheiten galten als Gefahr für die innere Sicherheit für Nazi-Deutschland. Man habe eine gesellschaftliche Identität und Geschlossenheit sichern wollen und eine Leitkultur schaffen wollen.

 

Der Krieg bringe oder verstärke zudem Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass (hervor), um die Kriegsziele zu erreichen. Diese diskriminierenden Maßnahmen schränkten die Agency (Wirksamkeit) von Fremden und Minderheiten enorm ein, die dann keine Unterstützer mehr fanden, wodurch sich die Handlungsmacht der Täter (Nationalsozialisten) erhöhte. Generell seien Vertreibungen laut Oltmer fast ausschließlich nur zu Zeiten des Krieges möglich.

 

Um die Frage zu beantworten, warum die Deutschen in Mittel-, Mittelost-, und Südosteuropa im Zeitraum von 1944-1949 vertrieben wurden, kam Jochen Oltmer auf vier wesentliche Gründe.

  1. Zum einen sei der Hass und die Bestrafung vor dem Hintergrund des deutschen Raub-, Beute- und Vernichtungskrieges (1939-1945) ein Motiv.

  2. Außerdem gab es die Vorstellung, ein Nationalstaat sei erst dann vollendet, wenn seine Bevölkerung homogen sei, also wenn der restliche Teil der in den Ostgebieten lebenden Deutschen vertrieben worden sei.

  3. Ein weiterer Grund war die Vermeidung von zukünftigen Problemen mit nationalen Minderheiten, insbesondere die Politik des Reiches der Instrumentalisierung deutscher Minderheiten.

  4. Letztlich seien einfach die Kapazitäten vorhanden gewesen und die Handlungsmacht der Deutschen (gegen Kriegsende) geschwächt und gering gewesen.

 

Ferner seien die Voraussetzungen bei den amerikanischen Besetzern besser gewesen, da sich die britischen Besetzer weniger durchsetzen konnten und administrativ schlechter gewesen seien. Die Distanz, die die Flüchtenden aus den Ostgebieten zurücklagen, erstreckte sich von einigen wenigen Kilometern in das ehemalige Deutsche Reich hinein bis mehrere hunderte Kilometer gen Westen. Geballt haben sich die meisten Flüchtlinge und Vertriebenen besonders östlich und legten demnach weniger Kilometer zurück, nicht nur, weil sie mit teilweise provisorischen Mitteln flüchtenden, sondern vor allem, weil der Gedanke vorhanden war, man würde (schnell und) bald wieder zurückkehren können in die alte Heimat. Deshalb ließen auch viele Flüchtende ihr Haus so zurück, wie es war und ließen ihre Haustürschlüssel stecken, etc. Diese Rückkehr scheiterte vor allem am Kalten Krieg.

 

Die Flüchtlinge bemühten sich für ihre Integration in die neue Umgebung. Es habe zahlreiche Umsiedlungsprogramme gegeben und viele der Flüchtenden wurden selbstständig und erwiesen sich durchaus als sehr nützlich. Prof. Oltmer stellte darüber hinaus vor, dass der neue Wohnungsbau und die sogenannten „Ostlandsiedlungen“ ebenfalls auf die deutschen Flüchtlinge zurückzuführen sind.

Jedoch erklärte er, dass es etlichen Flüchtlingen schwer fiel, sich in die neue Gesellschaft zu integrieren und dass dieser Prozess bei vielen teilweise noch 40-50 Jahre später immer noch nicht ganz abgeschlossen wurde. Er führte ein gelungenes Beispiel, ein Auszug aus einem Interview mit einem Vertriebenen, an, in dem es hieß, dass dieser sich 40 Jahre später immer noch nicht als komplett integriert fühlt („Ich bin ein Fremder“).

 

Prof. Oltmer erklärte darüber hinaus, dass Organisationen wie PEGIDA besonders dort stark sind (hier: Leipzig und Dresden), wo Fremdheit am wenigsten vorhanden ist, denn dort sei die Toleranz und Akzeptanz von Fremden kaum vorhanden.

 

Nach dem Besuch im IMIS gingen wir ins Felix Nussbaumhaus, wo wir eine Führung bekamen und wir einige der Gemälde und Arbeiten Felix Nussbaums betrachten konnten. Der Künstler war selbst als jüdischer Flüchtling auf der Flucht vor den Nazis und starb letztendlich vermutlich (genaue Todesursache ist bis heute ungeklärt) im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau.

 

Max Uhlig 23.06.2015

Seite zuletzt geändert am 06.07.2015, 22:40 Uhr von Ralph Werner-Dralle
 

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