„Als Häftling in den Händen der Stasi!“

 

Bericht vom 6.6.11: Besuch von Arno Drefke

 

 

Montag, der 6.6.2011, - GNW-Forum: Heute in der 6. Stunde hatten zwei 10te Klassen und jeweils fünf Vertreter aus den anderen 10ten Besuch von Arno Drefke aus Berlin. Herr Drefke leitete eine unserer Besuchergruppen, als wir im Rahmen der Berlinfahrt die Gedenkstätte des ehemaligen Stasi-Knastes in Hohenschönhausen besichtigt haben und war selbst fast 10 Jahre in Haft durch die Verurteilung des MfS (Ministerium für Staatssicherheit).

Zunächst berichtet er autobiographisch von diesen schicksalhaften Jahren seines Lebens.

 

 

 

Als Drefke 19 Jahre alt war, geriet er durch eine Falle in die Hände der Stasi, er war zu dieser Zeit aktives Mitglied BDJ (Bund Deutscher Jugend),dieser Verein wurde 1953 im Jahre seiner Verhaftung in Westberlin verboten. Der Vorwurf bestand darin, dass er Flugblätter gedruckt hatte, in denen er auf die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen der, durch den Marshallplan gestärkten, Bundesrepublik Deutschland und der eher konjunkturschwachen Volkswirtschaft der DDR aufmerksam gemacht hatte.


Das Urteil war „lebenslänglich“, zuerst kommt er zur Untersuchungshaft nach Hohenschönhausen in einen Zellentrakt, der den Beinamen „U-Boot“ hat, weil er fast keine Fenster hat, dann insgesamt etwa 3,5 Jahre in Haftanstalten in Cottbus und Brandenburg. Danach noch einmal 5,5 Jahre nach Hohenschönhausen in ein Haftarbeitslager, wo er für die Versorgung von 72 Wachhunden verantwortlich war und er musste den Neubau des Untersuchungsgefängnisses in Hohenschönhausen errichten helfen.


Während seiner Gefangenschaft wurde er bereits beim ersten Verhör dazu gezwungen, seinen wahren Namen abzulegen, - von da an war er bis zu seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft nur noch "Nr. 68". Doch wie Herr Drefke uns erzählte, war sein Name nicht das einzige, was er bei seinem ersten Verhör ablegen musste: Er wurde auch dazu gezwungen sich vollständig zu entkleiden, und zwar unter den Blicken von 4 Stasimitarbeitern, 2 Frauen und 2 Männern. Dieser Akt gehörte zu dem großen Repertoirean Foltermethoden der Staatssicherheit.


Zu essen bekam Drefke während den knappen 10 Jahren seiner Haft Weißkohl, Mohrrüben, Brot und Kartoffeln.


Ein weiter Punkt seines Berichtes war die absolute Geheimhaltung des Verbleibs der Häftlinge durch die Stasi. So wusste seine Frau nicht einmal, wo er gefangen gehalten wurde, die Besuche fanden alle in Rummelsburg statt, er bekam frische Kleidung und durfte nicht über die geographische Lage der Haftanstalt sprechen. Ihm waren 4 Besuche pro Jahr gestattet, wobei einmal im Jahr jeweils sein Vater und seine Mutter kamen und zweimal seine jetzige Frau. Drefke erzählt zudem, dass auf den Anlieferungswagen des Gefängnisses Aufschriften, wie „Gemüse ist gesund!“ standen, was bewirken sollte, dass die restliche Bevölkerung nicht einmal mitbekam, worum es sich wirklich handelte.


Am Schluss dieses lehrreichen, interessanten Vortrages bestand die Möglichkeit Fragen zu stellen, wie z.B. "Wie haben Sie sich die Zeit in der Untersuchungshaft vertrieben?" - Drefke berichtet: - Einmaleins aufzählen, Staaten und ihre Hauptstädte, Refrains von Liedern, Gedichte aufsagen und was einem noch so einfällt.


Oder auch die Frage, ob die Vernehmer und Richter nach Ende der DDR auch verurteilt worden sind. - Darauf meinte er bedauernd, die ehemaligen Häftlinge mussten die Straftaten ihrer ehemaligen Peiniger irgendwie beweisen können, was fast nie möglich war, da es in den meisten Fällen keine schriftlichen Aufzeichnungen gab, die als Anlass für eine Anklage geholfen hätten. Außerdem wird der Angeklagte nach dem DDR-Strafrecht beurteilt: Wenn er dieses (was sich früher sehr von unserem heutigen Menschenrechtsansichten unterschied) nicht verletzt hatte, wird der „Angeklagte“ gar nicht erst angeklagt oder gar verurteilt.


Hiermit endete der Besuch und Herr Drefke ließ zum Teil sehr nachdenkliche, schockierte Schüler zurück, die diese Fakten erst einmal verarbeiten mussten.


 


Jessica W.

 

 

 

 

 

 

Fotos: u.a. Laura Winter (10-1) / Markus Sundermann

Seite zuletzt geändert am 19.06.2011, 09:48 Uhr von Ralph Werner-Dralle
 

Das Neueste

Stundenplan wieder aktuell

Nach diversen kleineren Änderungen wurde der Stundenplan heute aktualisiert.

Weiterlesen


Terminverschiebung!

Elternabend 7/3 heute, 28.8.!

Weiterlesen


Fehler in den Schulnachrichten

Falsches Datum für die "Zeugnisferien"

Weiterlesen


Erste kleine Änderungen am Stundenplan

Wie immer zu Schuljahresbeginn gibt es in den ersten Tagen Änderungen am Stundenplan.

Weiterlesen


Der neue Stundenplan

Der Stundenplan für das neue Schuljahr ist fertig.

Weiterlesen



Aktualisiert

Heute

IT-Kompetenz


IT-Kompetenz 7-9



Gestern

Geschichte der Theater-AG



Vorgestern

Theater-AG



3 Tage und älter

Startseite


Deutsche Auswandererhaus - Bremerhaven


Tansania-AG


Aktuelle Projekte der Theater AG


Schulcurriculum Deutsch


Kriterien für die Mitarbeitsnote im Fach Deutsch