Wien, Oktober 2010: Relais de la Mémoire

 Die Treffen der Relais de la Mémoire, die immer halbjährig stattfinden und an denen das Gymnasium Neu Wulmstorf seit längerem partizipiert, sind jedes Mal aufs Neue eine wertvolle Erfahrung.

So auch das Treffen vom 14. bis zum 17. Oktober 2010, welches in Wien stattfand. Am frühen Morgen des 14. Oktobers (Donnerstag) machte sich die „deutsche Delegation“, bestehend aus sechs Schülern der Oberstufe, sowie den begleitenden Lehrkräften Frau Wiemken und Frau Minkler, auf den Weg nach Wien, der mit dem Flugzeug lediglich  1,5 Stunden dauerte.  Die Ankunftszeit am Vienna Airport betrug halb sieben Uhr in der Früh.

 

Nach einer längeren Fahrt mit der Bahn erreichten wir gegen 9 das Gymnasium Stubenbastei und hatten dort die Möglichkeit, unser Gepäck zu lagern. Das Wiedertreffen mit den anderen Schülern aus Marseille, Newcastle, Paris, Krakau und Wien sollte aber erst am späten Nachmittag stattfinden, sodass die Zeit gut mit der Erkundung Wiens und der Einkaufsmöglichkeiten genutzt wurde. Als das besagte Treffen in der Stubenbastei um 16 Uhr stattfand,  freuten sich alle, vertraute Gesichter und internationale Freunde wiederzusehen, immerhin liegt zwischen den Relais -Treffen jeweils eine Zeitspanne von 6 Monaten. Als sich nach einigem Hin und Her alle Delegationen eingefunden hatten, traten wir den Weg zum österreichischen Parlament an. Angekommen, wurden wir von Yves Rollin, dem Präsidenten der Relais de la Mémoire, sowie Herrn Posch, den Direktor des Parlaments herzlich empfangen. Gegen 21 Uhr wurden wir von den Gastfamilien, die sich freundlicherweise bereit erklärten, uns für die kurze Zeit in Wien eine Herberge zu bieten, abgeholt und so trennten sich die Wege vorerst.

Doch schon am nächsten Morgen, Freitag um 08:30 Uhr, trafen wir uns erneut, diesmal an der Hertha Firnberg Schule für Wirtschaft und Tourismus. Es erwartete uns eine Einleitung, erneut von Yves Rollin, sowie die Begrüßung der Direktorin Marlies Ettl.  Gegen circa 9 Uhr trug uns Herr Prof. Dr. Reinhold Gärtner zum Thema „Rechtspopulismus in Europa“ interessante Thesen vor. Der weitere Verlauf des Vormittags wurde weitgehend von den Runden Tischen/Zeitzeugengesprächen geprägt. Wir konnten uns in die Listen eintragen, mit welchem Zeitzeugen das Gespräch gesucht wurde, und man fand sich nach einer kleinen Pause mit ungefähr 10 Leuten in dem dem Zeitzeugen zugeteilten Raum wieder. Wir trugen uns für Zeitzeugin Ceija Stojka ein, die 1933 geboren wurde und den Lovara-Roma angehörte. Als Kind erlebte sie drei Konzentrationslager; Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen. Sie ist Zeugin der Befreiung von Bergen-Belsen.

Doch wir trafen Ceija Stojka nicht persönlich, wie erwartet, sondern ihren Freund und Berater Andreas Peham, der sie ursprünglich nur begleiten sollte, um ihre Erfahrungen mit dem historischen Hintergrund anzureichern, nun jedoch ihre Vertretung übernahm. Wir waren überrascht von der Abwesenheit Ceijas, welche heutige politische Geschehnisse zum Grund hatte. In Wien fanden wiederholte Abschiebungen von Kindern mit Migrationshintergrund statt – und dies bei guter Integration in der Gesellschaft! Auch ein 14-jähriges Mädchen, welches aus der Schule von zwei Polizisten abgeholt werden sollte, um abgeschoben zu werden, jedoch von einer Lehrerin gewarnt wurde und so flüchten konnte, war so ein Fall. Auch Ceija, dem „Zigeunerkind“, war es eines Tages verboten, in die Schule zu gehen. Dies, - das Verbot der Bildung, war für sie das Schlimmste: „Es war für Ceija schlimmer als die Toten, die Kälte, die Leichen [...]“ (Andreas Peham). Zu gravierend war dieser Vorfall, zu sehr wühlte er sie aus, dass sie den Namen der Innenministerin Fekter, die die Abschiebungen befürwortet, mehrfach mit dem Namen ihrer KZ-Aufseherin in Bergen-Belsen verwechselte. Diese Aussage schockte uns. Es berührte uns sehr, dass Ceija nach all ihren Erlebnissen nie ihren starken Glauben und ihr Vertrauen in Gott verlor. Des Weiteren sind wir sehr beeindruckt, dass sie sich für das heutige politische Geschehen interessiert.

Danach fand ein gemeinsames Essen statt, wo noch einmal die Möglichkeit bestand, mit den Zeitzeugen beim Essen zu plaudern.

Der verbleibende Nachmittag wurde in den sogenannten Ateliers verbracht. Man konnte zwischen verschiedenen Workshops wählen, wie zum Beispiel Theater, Rap, Tanzen, Musik, Button-Design und Journalismus. Gegen Abend sind die Ergebnisse präsentiert worden, den späten Abend verbrachte man zusammen in einem Irish Pub.

Am nächsten Tag fuhren wir mit Bussen zum Vernichtungslager Mauthausen. Das KZ hat sowohl Gaskammern, Krematorien und eine Todestiege. Die Todesstiege, also die unebenen Treppen hinunter in den Steinbruch, und die Vorstellung, diesen Weg mit einem 50 Kilogramm schweren Stein auf dem Rücken und durch Schläge vorangetrieben gehen zu müssen, war für unser Vorstellungsvermögen mehr als eine Tortur. Gegen 14 Uhr fand ein eigens für die Junioren organisiertes Konzert in Mauthausen statt: „Ihr Mädchen von Mauthausen“.

Der offiziell letzte Tag des Relais wurde im Gymnasium Stubenbastei mit einem Vortrag von Herrn Mag. Florian Wenninger zum Thema „Austrofaschismus und Auswirkungen auf die 2. Republik“ verbracht. Anschließend fanden wieder Runde Tische statt zu Themen wie Extremismus, Integration (…). Hier kamen wir mit Zohreh Ali-Pahlavani in ein Gespräch, die 1980 aus dem Iran nach Österreich gekommen und, was damals nicht geplant war, immer noch hier lebt und auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt. Nachmittags erkundeten wir Wien mit einem geführten historischen Stadtrundgang. Daraufhin folgte ein gemeinsamer Abschied aller Junioren und der Lehrer.

Am nächsten Tag besichtigten wir zu 8. das Schloss Schönbrunn und traten mittags den Heimweg an.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es eine sehr schöne Zeit in Wien war, die uns sehr geprägt hat. Die Konfrontation mit einem wirklichen Zeitzeugen ist, vor allem für die, die das erste Mal dabei waren, wirklich eine unschätzbare Erfahrung. Sobald man mit einem Menschen Kontakt aufnimmt und darüber redet, kann dies mental so einiges verändern. Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an Ceija Stojka und Andreas Peham und auch an alle anderen Zeitzeugen,  auch wenn wir leider nicht die Möglichkeit hatten, mit ihnen allen zu sprechen.

 

La mémoire construit l'avenir – Aus der Erinnerung entsteht die Zukunft.

 

Lara Schmeling

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seite zuletzt geändert am 04.11.2010, 15:31 Uhr von Ralph Werner-Dralle
 

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