Vorfahrt für Bildung –
            gemeinsam sind wir stark! 

(Neu Wulmstorf, 24. April 2009)


                                                                                                                            
Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern und Großeltern und (sollten sie sich die Teilnahme haben einrichten können) selbstverständlich auch: Liebe Lehrerinnen und Lehrer!
Natürlich begrüßen wir auch alle sonstigen Teilnehmer unserer Veranstaltung sowie alle Passanten und zufälligen Zuhörer, denn in der Tat ist es so,  dass wirklich alle Personen unserer Gesellschaft Betroffene sind, da das Thema Bildung und Bildungs-politik für weitaus mehr Personen Bedeutung hat als nur für Schüler, Eltern und Lehrer.
Der Grund, dass wir zu dieser Demonstration aufgerufen haben liegt darin, dass wir es sind, die Tag für Tag zu spüren bekommen, wie es um das niedersächsische Bildungswesen wirklich bestellt ist und die täglich mit jenen Missständen leben müssen, die uns von einer stiefmütterlich behandelten Bildungspolitik beschert worden sind. Eine Bildungspolitik, die leider nicht planvoll, langfristig vorausschauend und finanziell solide ausgestattet war  – sondern die stattdessen an „Einsparpotentialen“ interessiert war und von kurzfristigen, d.h. parteipolitischen sowie wahltaktischen Überlegungen gesteuert wurde.
Es lässt sich durchaus die Vermutung anstellen, dass selbst das Abitur nach 8 Jahren und auch die „eigenverantwortliche Schule“ in Wahrheit nur deswegen etabliert wurden, weil sich so wieder einmal sehr viel Geld sparen lässt……
Wir stehen heute hier (und übrigens stehen viele Eltern und Schüler auch in Tostedt, in Salzhausen und in Ramelsloh sowie in vielen anderen niedersächsischen Städten) auf dem Rathausplatz, weil wir außerordentlich unzufrieden und verärgert darüber sind, was wir Monat für Monat an schulischer Realität erleben.
Schulische Realität, das erleben wir etwa so: Überfüllte Klassen in den weiterführenden Schulen; eine zu hohe Zahl ausfallender Stunden; Lehrer, die am Rande ihrer Belastbarkeit sind; Schulleitungen, die in Verwaltungs- und Organisationsaufgaben versinken; Schüler, die mit den Hausaufgaben und Arbeits- vorbereitungen locker auf die Stundenzahl eines in Vollzeit beschäftigten Arbeitnehmers kommen; Eltern, die sich fragen, wie teuer wohl das nächste Schuljahr werden wird und wie wohl die Noten ohne Nachhilfe aussehen würden…..
Liebe anwesende Vertreter der „politischen Zunft“: Wir könnten diese Liste zwar ohne große Mühe noch erweitern und differenzieren, möchten aber – bevor wir ihnen eine Reihe konkreter Forderungen verlesen und überreichen – Sie noch auf etwas hinweisen, was Sie in ihrem Selbstverständnis durchaus treffen sollte:
Wir alle – als unmittelbar vom System Schule Betroffene – haben in keiner Weise das Gefühl, dass die gewählten politischen Vertreter sich ernsthaft für unsere Belange, für nachhaltige Bildungspolitik und für  Investitionen die diesen Namen auch verdienen engagieren. Stünde in Niedersachsen bei einer Landtagswahl nur die Bildungspolitik zur Wahl, wir sind überzeugt, dass alle Parteien entsetzt über den Wahlausgang wären……
Die auf der Internetseite des Kultusministeriums vollmundig getroffenen Aussagen wirken – insbesondere das Postulat „Bildungsland Niedersachsen“ – unter der Erfahrung der letzten Jahre leider auch nur wie hohle Phrasen und leere Versprechen.
Auch deswegen stehen wir heute hier. Weil wir das Vertrauen in die Politik verloren haben und merken, dass wir selber die einzige Lobby sind, der wir unsere Interessen anvertrauen können.  Verglichen mit der Lobby der Auto- , der Pharmaindustrie oder der Ärzteschaft mag das nicht sehr gewichtig erscheinen – aber der Protest wird nicht abreißen. Nicht, wenn die Bildungspolitik so bleibt wie sie derzeit von uns erlebt wird.
Bereits am 9.Mai wird die in Hannover die nächste Eltern-Schüler Demonstration und am 17.Juni eine reine Schülerdemonstration stattfinden.
Wer ernsthaft eine gebildete und leistungsfähige kommende Generation will, der muss einsehen, dass es nicht reicht, Probleme „auszusitzen“, bis die Schülerzahlen sinken, sondern dass es DAS politische Thema unseres Zeitalters ist und viele andere Inhalte dahinter zurückstehen sollten – selbst die „Abwrackprämie“!!!!!
Zum Abschluss noch eine Lebensweisheit von Antoine de Saint-Exupery:
Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten und Aufgaben zu vergeben, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem endlosen, weiten Meer.
Umformuliert für die Bildungspolitik könnte diese Lebensweisheit so heißen:
Wenn du eine stets lernende, leistungsfähige Bildungs- und Wissensgesellschaft schaffen willst, so stopfe nicht möglichst viel Wissen in möglichst kurzer Zeit bei möglichst geringen Kosten in möglichst junge Köpfe  - sondern versuche schon bei Kindern die Lust am Lernen zu wecken und sorge dafür, dass in allen Bildungs-bereichen Rahmenbedingungen bestehen, die das Lernen selbst wie ein strahlendes Juwel erscheinen lassen. 


Unsere konkreten Forderungen sind Folgende:


Wir fordern: Kleinere Klassen.
Weil nur dann effektives Lernen und individuelle Förderung möglich sind. Und es nur so erreicht werden kann, dass selbst auch alle Fachlehrer jedes einzelne Kind persönlich kennen.
Wir fordern: Eine bundesweit einheitliche Regelung der Lehrergehälter.
 Niedersächsische Lehrer sollen z.B. wieder Urlaubs- und Weihnachtsgeld bekommen bzw. das Gleiche wie in anderen Bundesländern verdienen, damit sie nicht "abgeworben" werden.
Wir fordern: Mehr Mittel für Fortbildungen.
Lehrer müssen ein breites Spektrum an unentgeldlichen (!) Fortbildungen zur Verfügung gestellt bekommen, damit sie sich individuell angemessen qualifizieren können. (z.B. methodisch / didaktisch)
Wir fordern: Lehrerstunden für kollegiale Hospitationen bzw. Supervision.
Was in den meisten Wirtschaftsfeldern wie selbstverständlich "dazu gehört" und vom Arbeitgeber sogar erwartet wird, sollte für Schule kein Fremdwort sein, sondern ermöglicht und gefördert werden. Leider fehlen – trotz der Bereitschaft vieler Lehrer - hierfür die Voraussetzungen an den Schulen.
Wir fordern: Möglichkeit der Teilzeitbeschäftigung erhalten.
Keine "Zwangsanhebung" der wöchentlichen Stundenzahl, weil darunter die Motivation der Lehrerinnen und Lehrer erheblich leidet. Wer in Teilzeit arbeiten möchte, der hat gewöhnlich gute Gründe dafür, diese können nicht einfach vom Arbeitgeber  ignoriert werden.
Wir fordern: Sozialarbeiter und mehr Beratungslehrerstunden an allen Schulen.
Probleme, die von Lehrerinnen und Lehrern zusätzlich zu ihrem "Kerngeschäft"
nicht allein bewältigt werden können, gibt es immer mehr und es gibt sie an jeder Schule - nicht nur an Haupt- und Gesamtschulen. Leider wird diese Art von Problemen durch die derzeitige Schulpolitik eher gefördert statt behoben.

Wir fordern: Mehr Lehrer bzw. mehr Lehrerstunden.
Eine 100%ige Unterrichtsversorgung darf nicht nur "statistisch errechnet" werden, sondern muss effektiv an allen Schulen in allen Jahrgängen (selbst bei Krankheits-fällen im Kollegium) gewährleistet sein. Wer fleißig lernende Schüler erwartet, der muss auch für eine ausreichende Zahl an Lehrern sorgen.
Wir fordern: Flächendeckendes Angebot, d.h. konsequenter Ausbau von offenen Ganztagsschulen.
Viele Schulen werden - insbesondere wegen der G-8 Konzeption - ohnehin von Schülern und Eltern als effektive "Ganztagsschulen" empfunden, es wird Zeit, diese auch offiziell einzurichten und dementsprechend auszustatten. Wir wollen keine Ganztagsschule durch die „Hintertür“.
Wir fordern: Zuverlässige und staatlich geförderte Hausaufgabenbetreuungsangebote.
Da insbesondere bei der G-8 Umsetzung immer mehr Arbeit auf die außer-schulischen Bereiche verlagert wird, müssen auch Familien, in denen dies nicht angemessen gewährleistet werden kann, ausreichend unterstützt werden. Dies ist Bestandteil umfassender Bildungsgerechtigkeit.
Wir fordern: Wiedereinführung der Lernmittelfreiheit.
Die Chancengleichheit bei der Bildung darf nicht nur bei der "Notenvergabe" eine Rolle spielen. Auch die "Kosten" für gute Bildung müssen Chancengleichheit gewährleisten. Unser Land braucht alle klugen Köpfe, nicht nur jene, die finanziell gut versorgt sind.
Wir fordern: Flächendeckendes Angebot an Gesamtschulen.
Wenn schon an dem gegliederten Schulsystem festgehalten wird, dann sollen Eltern und Schüler zumindest überall eine echte Wahlmöglichkeit haben und nicht zum "Spielball" von politischem Dogma bzw. bildungswissenschaftlicher Unkenntnis werden. Diese Wahlfreiheit existiert gerade bei uns in Neu Wulmstorf leider nicht.
Wir fordern: Erhalt des Abiturs nach 9 Jahren an Gesamtschulen.
Darf unser Bildungssystem ignorieren, dass nicht alle Kinder gleich schnell lernen? Müssen alle Kinder in die Schablone passen, die von "wirtschaftlichen Zusammenhängen" (Bildungssystem als Kostenfaktor) und "europäischer Vereinheitlichung"  gemacht ist? Wir wollen eine faire Chance für alle Kinder und die Politik will schließlich mehr Abiturienten – nicht weniger.
Wir fordern: Schaffung von Rahmenbedingungen, welche die G-8 Konzeption realistisch ermöglichen.
Es ist absolut inakzeptabel, dass von Schülern und Lehrern ein Turbo-Abitur verlangt wird, die Politik es aber nicht schafft, rechtzeitig für eine hinreichende Lehrer-versorgung, fertige Kerncurricula, kleinere Klassen, maßgeschneiderte Lehrbücher, u.v.a.m. zu sorgen. Die Leidtragenden sind leider – wie immer – nicht die Verantwortlichen.
Wir fordern: Eine moderne, d.h. zeitgemäße und zugleich flexible Lehrerausbildung.
Nur wenn Lehrer wirklich praxisnah und so Vielseitig ausgebildet werden, wie der Beruf es heute nun einmal verlangt, werden junge Lehrer ihren Anforderungen gerecht und können auch langfristig gesund und motiviert unterrichten. Dozierende Akademiker sind längst nicht mehr diejenigen Lehrer, die unsere Schüler brauchen.

Insbesondere für die Grundschulen fordern wir:


Wir fordern: Betreuungskräfte, die keine Lehrer sind, sollen die Ausnahme sein – nicht die Regel.
Die verlässlichen Schulzeiten dürfen nicht einfach nur "Kinderbetreuungszeiten" sein.  Schule muss alle schulischen Inhalte mit Lehrerstunden abdecken können.
Wir fordern: Englischunterricht bereits ab der ersten Klasse.
Wenn  Englisch im Kindergarten gefördert und dann aber bis zur dritten Klasse nicht weiter gelehrt wird – dann ist das extrem unsinnig. Besonders Kinder im Grundschulalter lernen leicht fremde Sprachen, erst recht, wenn sie im Kindergarten schon damit begonnen haben.

Weil wir alle wissen, dass diese Forderungen viel Geld kosten, lassen Sie uns zusammenfassend eine Kernforderung formulieren:
Wir fordern, dass  endlich jene Menge Geld in unser Bildungssystem „gepumpt“ wird, wie sie von dem Stellenwert der Bildung für unsere Gesellschaft aber auch von dem derzeitigen Ausmaß der Missstände nahegelegt wird.
Wie groß auch immer diese Summe an Geld sein mag – sie ist zweifelsfrei erheblich größer, als sie es bislang gewesen ist……
Wir fordern Sie, sehr geehrte Politiker auf, sich diese Forderungen zu Herzen zu nehmen und sie ausgiebig zu diskutieren. Selbstverständlich wünschen wir uns eine solche Diskussion jenseits der Parteigrenzen und auch jenseits bildungspolitischer Dogmen.

Unterzeichnet von den Vertretern des
  Gemeindeelternrates sowie des  Gemeindeschülerrates.

Gymnasium
Neu Wulmstorf
                Sören Burmeister                    Jana Paulsen

Realschule
Vierkaten
                Heike Bruns                        Marcel Grosch

Hauptschule
Vossbarg
                Tanja Paulsen                        Jana Gramsch

Grundschule
Elstorf
                Angeles de Maria

Grundschule
An der Heide
                Jutta Brassait

Grundschule
Am Moor
                Petra Andersen



 

Seite zuletzt geändert am 06.05.2009, 09:07 Uhr von Ralph Werner-Dralle
 

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